Eintages Einführungsseminare EPEA Akademie
2012:
13. Februar, 12. März, 25. April, 23. Mai und 18. Juni
Mehr Informationen:
http://www.epea-akademie.de/
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Nährstoff Müll
aus der Reihe “über:morgen” – Das Zukunftsmagazin
Der deutsche Chemiker Michael Braungart will eine neue industrielle Revolution auslösen – um die Umwelt zu retten und den Klimawandel zu stoppen. Unsere ökologische Krise, so Braungart, beruht darauf, dass wir bei der Herstellung unserer Produkte Stoffe verwenden, die in der natürlichen Umwelt nicht abgebaut werden können. Also müssen wir lernen, unsere Produkte intelligenter zusammenzusetzen.
© ORF/Backlight/VPRO Lupe
Michael Braungart, Chemiker
Braungarts Buch “Einfach intelligent produzieren” hat in den USA längst Furore gemacht. Für Schauspieler Brad Pitt zählt es zu den 15 Dingen, die jeder kennen sollte. Und Starregisseur Steven Spielberg plant schon seit einigen Jahren einen Film darüber.
“Cradle to Cradle” nennt Braungart sein Konzept: Von der Wiege zur Wiege. Bislang haben wir “Cradle to grave” produziert, von der Wiege zum Grabe, zur Mülldeponie. Wir treiben Raubbau an den Rohstoffen, türmen Abfallberge auf, vergiften Erdreich und Gewässer, wir verpesten die Luft.
© ORF/Backlight/VPRO Lupe
John Hooke, Vice President “NIKE”
In seiner Beratungsfirma tüftelt Braungart unentwegt an Produkten, die sich nahtlos in den natürlichen Kreislauf einschmiegen. Denn in seiner Welt müssen alle Materialien, aus denen wir Produkte herstellen, als Nährstoffe verwertbar sein. Bremsbeläge, Schuhsohlen und Waschmittel können so gestaltet werden, dass sie als biologische Nährstoffe in den natürlichen Kreislauf zurückgehen – und dort nicht nur unschädlich, sondern sogar nützlich sind. So hat er für ein Schweizer Textilunternehmen, einen der größten Ausstatter von Flugzeugsitzbezügen, etwa ein Patent für biologisch verwertbare Möbelbezugsstoffe entwickelt: Mit dem wunderbaren Nebeneffekt aus den Textilabfällen Filz zu produzieren. Diesen Filz nutzen Bauern, um im Winter ihre Erdbeerpflanzen abzudecken. Der Filz löst sich vollständig auf und wird somit zur Nahrung für die Pflanzen.
© ORF/Backlight/VPRO Lupe
William McDonough, Architekt und Designer
In den USA hat sich Braungart mit dem ökologisch orientierten Architekturprofessor William McDonough zusammengetan und 1995 die Firma McDonough Braungart Design Chemistry in Charlottesville, Virginia, gegründet. Produkte sollten letztendlich nicht mühsam entsorgt, aufbereitet oder verbrannt werden, sondern so konzipiert sein, dass sie sich mühelos in anderer Form weiterverwenden lassen. Mittlerweile sind dort hundert Mitarbeiter mit innovativen Industrieaufträgen beschäftigt. So haben sie in Detroit das direkt neben dem Roten Fluss beheimatete älteste und größte Industriezentrum der Welt saniert. Aus dem Ford Rouge Center, Heimat der weltbekannten Ford Motor Company, wo 1917 das erste Automobil vom Fließband gerollt ist, und man sich knapp 100 Jahre lang keine Gedanken über die Umwelt gemacht hat, ist nun ein naturnaher Industriestandort mit begrünten Dächern, Sumpfgebieten, Blumenwiesen und Wildtieren entstanden.
Für den Deutschen Textilhersteller Trigema haben sie Gift-freie und vollkommen kompostierbare T-Shirts entwickelt – diese T-Shirts sind schlussendlich zur Gänze Rohmaterialien für die Natur.
Timothy O’Brien: “William und Michael haben mich tatsächlich emotional berührt. Wir dachten, diese Typen würden uns eher Probleme bereiten und konnten nicht nachvollziehen, warum sich die Geschäftsleitung auf dieses waghalsige Projekt einließ. Williams Ziel war es, unseren Produktionsstandort so zu gestalten, dass man dort ohne Bedenken Kinder spielen lassen könnte. Anfangs wussten wir nicht, wie wir damit umgehen sollten. Es machte für uns keinen Sinn. Dann habe ich aber angefangen darüber nachzudenken und mein erster Gedanke war: Ich habe Kinder und ich würde sie nicht hier spielen lassen.” © ORF/Backlight/VPROLupeTimothy O’Brien, ehem. Vice President “Ford”
Albin Kälin: “Wir wollten das Müllproblem ganz klassisch lösen, indem wir den von uns produzierten Abfall Vorort verbrennen und damit Energiekosten sparen. Aber die Behörden teilten uns mit, dass wir dazu nicht befugt seien. Wir ließen viele Studien durchführen, kamen aber zu keinem Ergebnis. Während der Fahrt vom Flughafen zu unserer Fabrik sagte McDonough: “Waste is Food” – Abfall ist Nahrung. Und da machte es Klick bei mir. Wenn unser Abfall zu Nahrung gemacht werden könnte, dann wären unsere Probleme gelöst.” © ORF/Backlight/VPROLupeAlbin Kälin, Geschäftsführer der ehem. “Rohner Textil AG”
Schön sind sie, die sich in der umgebenden Landschaft auflösenden Gebäude mit begrünten Dächern und großen Gärten. Und effektiv: Sie brauchen weniger externe Wärme, sie können Wasser sammeln und reinigen, die Luft frischt sich selbst auf. Die Grenze von Natur und Bebauung wird aufgelöst und beginnt ineinander überzugehen. © ORF/Backlight/VPROLupeEin Haus wie ein Baum und Städte wie Wälder
Das Motto der beiden zieht sich durch all ihre Projekte: Die Erfindung einer umweltfreundlichen Welt ist die Erschaffung einer menschenfreundlichen Welt. Daher betont Braungart immer wieder: “Wir müssen begreifen, dass wir Menschen auf Erden keine Schädlinge sind, sondern Nützlinge sein können, an denen sich andere Lebewesen freuen.”